Edelstahl drehen

Wie kann man Edelstahl drehen?

Beim Bearbeiten von Edelstahl sind einige grundlegenden Dinge zu beachten. Dies gilt auch für das spanende Bearbeitungsverfahren Drehen. Wichtig sind hier die Drehmaschine, das Werkzeug (Drehmeißel), das Kühlschmiermittel und das Werkstück selbst.

Um ein Werkstück aus Edelstahl bearbeiten zu können, sollte die Drehmaschine diesen Anforderungen gerecht werden, in dem sie schwer und massiv ausgeführt ist. Die beweglichen Teile der Drehmaschine wie z.B. die Schlitten, sollten über ein möglichst geringes Spiel verfügen. Des Weiteren sollte immer ein Reitstock eingesetzt werden, um einen möglichst festen Sitz des Werkstücks zu gewährleisten. Es ist ebenfalls auf einen festen Sitz des Werkzeugs zu achten.

Bei der Auswahl des Drehmeißels sollten folgende Punkte beachtet werden: der Schneidstoff und die Schneidengeometrie.
Als Schneidstoffe eignen sich HSS (Hochleistungsschnellarbeitsstahl), Cermet und Hartmetalle. Drehmeißel aus HSS sollten eine Beschichtung aus Titan oder Kobalt aufweisen.
Die Schneidengeometrie ist abhängig von dem zu bearbeitenden Werkstoff. Hierbei gilt es, den richtigen Spanwinkel, Einstellwinkel, Neigungswinkel, Freiwinkel und Spitzenradius auszuwählen. Im Folgenden einige Beispiele mit allgemeinen Richtwerten.

Beim sog. Schruppen, dem groben Vordrehen, verwendet man in der Regel einen Einstellwinkel von 70°. Bei Verwendung von HSS sollte der Spitzenradius so klein wie möglich sein. Der Neigungswinkel der Hauptschneide sollte bis zu 15° betragen, denn dadurch wird die Spanabfuhr verbessert.

Beim sog. Schlichten, der feinen Nachbearbeitung, verwendet man folgende Spanwinkel: bei HSS 15 – 20°, bei Hartmetall 12 – 15°. Der Neigungswinkel beträgt bei beiden Varianten 0°, jedoch kann dieser – je nach Edelstahlsorte – leicht positiv sein, um die Spanabfuhr zu verbessern. Der Spitzenradius liegt bei ca. 0,8 mm, dieser richtet sich jedoch auch nach der zu erzielenden Oberflächengüte.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Schnittgeschwindigkeit sowie der Vorschub. Als Richtwerte können angenommen werden.
– HSS beim Schruppen: 8 – 12 mm/min Schnittgeschwindigkeit und 0,4 – 1,0 mm/U Vorschub.
– HSS beim Schlichten: 15 – 25 mm/min Schnittgeschwindigkeit und 0,1 – 0,2 mm/U Vorschub.
– Hartmetall beim Schruppen: 40 – 60 mm/min Schnittgeschwindigkeit und 0,4 – 1,0 mm/U Vorschub.
– Hartmetall beim Schlichten: 60 – 100 mm/min Schnittgeschwindigkeit und 0,1 – 0,4 mm/U Vorschub.

Um Werkstück als auch das Werkzeug ausreichend zu kühlen und um eine hohe Oberflächengüte zu erreichen, muss für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden. Bei Schrupparbeiten werden i.d.R. Mineralöle oder Fett-Mineralöl-Gemische verwendet. Für den Schlichtvorgang eignen sich Ölemulsionen oder wasserlösliche Kühlschmiermittel.