Edelstahl löten

Kann man Edelstahl löten?

Viele Hobbymechaniker oder Autoschrauber stellen sich beim Anblick eines Edelstahlauspuffs die Frage, ob man Edelstahl auch löten kann. Ja, man kann Edelstahl löten! Jedoch müssen beim Löten von Edelstahl einige grundlegende Dinge berücksichtigt werden.
Bevor man sich an die Arbeit begibt, sollte man überlegen, welches Lotverfahren infrage kommt. Es stehen Weichlöten sowohl Hartlöten für diese Tätigkeit zur Auswahl. Das Lotverfahren ist abhängig von der Dicke des zu bearbeitenden Werkstücks, als auch dessen Zusammensetzung, da man hiernach das geeignete Flussmittel auswählen muss. Im folgenden eine Zusammenfassung für das Verfahren Weichlöten.

Edelstahl weichlöten

Lötbare Edelstähle sind unter anderem: ferritische Chrom-Stähle sowie Chrom-Nickel-Molybdän-Stähle. Ein weiteres Kriterium ist die Oberflächenausführung der Edelstahlsorte wie z.B. kaltgewalzt, wärmebehandelt, walzmattiert, geschliffen oder mit Zinnüberzug. Einer der wichtigsten Punkte ist jedoch, dass die zu verbindenden Oberflächen sauber und fettfrei sowie von allen Verunreinigungen befreit sind. Nur wenn dieser Punkt erfüllt ist, kann sicher gestellt werden, dass das Löten erfolgreich ist.

Die Auswahl des Flussmittels ist von großer Bedeutung, denn nur damit kann eine einwandfreie Lötverbindung gewährleistet werden. Flussmittel für Edelstähle sollten auf Phosphorsäure basieren. Andere Flussmittel wie z.B. Salzsäure (auch verdünnt), chloridhaltige Lötwasser wie sie bei Titanzink eingesetzt werden, sind für Edelstahl nicht geeignet, da sie die Korrosionsbeständigkeit im negativen Sinne beeinflussen.

Eine weitere Komponente, die das Weichlöten von Edelstahl beinhaltet, ist das Lot selbst. Das Weichlöten funktioniert nach folgendem Prinzip: Hierbei schmilzt nur das Lot, die zu verbindenden Werkstücke werden im festen Zustand durch das verflüssigte Lot benetzt. Eine Gefügeveränderung des Werkstoffs tritt beim Weichlöten nicht auf. Es ist des Weiteren darauf zu achten, dass Edelstähle eine geringere Wärmeleitfähigkeit haben. Daraus folgt, dass die Wärme von der Lötnaht nur langsam abgeleitet wird. Deshalb ist es notwendig ein Lötzinn zu verwenden, welches ein eher träges Fließverhalten zeigt. Eine gute Empfehlung ist 30-prozentiges Zinnlot S-Pb 70 Sn 30. Zusammen mit dem geeigneten Flussmittel und einer Arbeitstemperatur von ca. 250 °C erzielt man neben einem guten Fließverhalten eine ausreichend hohe Festigkeit.

Ein wichtiger Aspekt ist der Lötspalt. Um eine feste und stabile Naht zu erzielen, sollte dieser 0,5 mm nicht überschreiten. Ist der Lötspalt größer, so sollte man die zu verbindenden Bauteile zuvor mit Nieten oder Spannklammern fixieren.
Um eine gute Lötnaht ausführen zu können, ist es notwendig, einen Lötkolben zu verwenden, der für diese Art von Weichlöten ausgelegt ist. In der Regel findet ein normaler gasbetriebener Hammerlötkolben Verwendung.
Nach dem Löten ist darauf zu achten, dass die Rückstände des Flussmittels entfernt werden, da diese neben Verfärbungen auch das Material angreifen können.

Wenn alle diese Punkte berücksichtigt wurden, so bedarf es nun nur noch eines guten Auges und vor allem einer ruhigen Hand, so dass die Naht gleichmäßig und in einem Zug ausgeführt werden kann.